Im Fussballfieber

Christine am 19. Mai 2012
München, 19. Mai 2012 // 慕尼黑, 2012年5月19日

München, 19. Mai 2012 // 慕尼黑, 2012年5月19日

Die Münchner Innenstadt dicht.
Das Stadion umbenannt.
Aktuelle Ticketpreise zwischen €3.000 und €9.000.
Seit Tagen kein anderes Thema in der Rubrik Sport.
Alle sowas von verrückt geworden…

Achja, hätte ich beinahe vergessen zu erwähnen:
Bei uns ist jetzt später, sehr später Abend.
In einer Stunde fährt Jürgen los.
Im strömenden Regen, auf die andere Seite der Stadt.
In eine Sports Bar, zum Public Viewing.
Gemeinsam mit ein paar Gleichgesinnten.
Anpfiff: 2.45 Uhr Ortszeit.
Alles vorbei: 4.30 Uhr – im besten Fall.

Und ich bleibe dabei: Sowas, aber sowas von verrückt…

Ost trifft West

Christine am 18. Mai 2012
Warteschlange // 排队

Warteschlange // 排队

Im ohnehin empfehlenswerten Verlag Hermann Schmidt ist ein kleines Büchlein erschienen, das die Unterschiede zwischen dem westlichen und dem östlichen Alltagsverhalten aufzeigt. Es wird als ‘ein interkultureller Dialog in Piktogrammen’ beschrieben – und besser könnte man es nicht sagen. Zu Themen wie zum Beispiel Pünktlichkeit, Lautstärke oder Kontaktpflege gibt es hier eindrückliche Bilder, die ich hiermit alle in ihrem Wahrheitsgehalt bestätigen kann. Die blaue Seite steht dabei für den Westen der Welt, die rote für den Osten. Sehr gut gefällt mir dabei, dass die Autorin es schafft, die beiden durchweg gegensätzlichen Verhaltensweisen darzustellen, ohne eine davon als besser oder schlechter, als richtig oder falsch zu bewerten.

Hauptaussage: Toleranz und Verständnis füreinander – und das so ziemlich in allen Lebenslagen.
Ein tolles, kleines, großes Buch!

Auf die Größe kommt es an

Christine am 14. Mai 2012
Hànbǎo für zwei // 汉堡给两人

Hànbǎo für zwei // 汉堡给两人

Unmittelbar vor unserer Haustüre befindet sich das stadtbekannte Steakhouse Yasmine’s inklusive Metzgerei. Gut, für mich persönlich jetzt nicht unbedingt das Einkaufsparadies No. 1, erfreut es sich aber bei vielen Anderen allergrößter Beliebtheit. Ein Grund dafür dürfte der Maxi-Burger sein, den es dort für rund €15 zu bestellen gibt. Und der besonders bei jungen Paaren großen Anklang findet. Es gibt ja auch kaum etwas romantischeres, als sich 800 Gramm gebratenes Hackfleisch, 600 Gramm Brot, 500 Gramm Gemüse und etwa 10 Fritten liebevoll zu teilen. Das oben gezeigte Szenario veranschaulicht übrigens die typischen Verhaltensweisen beim Auswärts-Essen von Mann und Frau hierzulande. Er schaut stolz auf seine Bestellung, sie textet Freunden oder gar der Familie, was für einen gönnerhaften Partner sie an ihrer Seite hat. Oder aber sie üben generell schon mal – für in etwa zwanzig, fünfundzwanzig Jahren…

Zusätzlich zum exklusiven Riesen-Burger-Angebot veranstaltet das Yasmine’s jeden Montag einen sogenannten ‘Mad Cow Day’ – ein Slogan, der in Europa wahrscheinlich auch keine großen Chancen hätte. An jenem Abend sind alle Fleisch-Gerichte um die Hälfte reduziert, ausgenommen davon ist allerdings die Abteilung ‘Specials’, wie Nudeln und Salate. Das steht, um Missverständnisse zu vermeiden, sowohl mehrfach auf der Karte, als auch auf einem gesonderten Aufsteller. Von denen auf jedem Tisch mindestens einer zu finden ist.

Nun war ich letzte Woche an einem dieser Montage Zeuge einer Szene zwischen einer Gruppe Europäern am Nebentisch und mehreren Yasmine’s-Mitarbeitern. Beim Bezahlen ergab sich das Problem, dass die konsumierte Nudelportion (wie mehrfach angeschrieben) voll berechnet wurde. Woraufhin die selbsterklärte Anführerin des Ensembles die Bedienung zurückrief um zu erklären, dass sie dies so nicht akzeptieren könne. Man hätte extra im Vorfeld gefragt, und nun das, sie hätten es nicht bestellt, wenn es nicht reduziert gewesen wäre. Auf die Frage, welche Kollegin denn die vermeintlich falsche Auskunft gegegeben hätte, zeigte Frau Anführerin nacheinander auf alle drei aktuell bedienenden chinesischen Damen. Um dann, als diese nacheinander am Tisch erschienen, festzustellen, dass es doch eine andere gewesen sein musste. Um der Sache ein Ende zu bereiten wurde dann lautstark nach dem ‘Manager’ verlangt. Der erschien, der gesamte Sachverhalt wurde erneut dargestellt, und gerade als er noch einmal die (überall ausgeschriebenen) Spielregeln für seinen ‘Mad Cow Day’ erläutern wollte, schrie ihn die Reklamations-Frau an: ‘Don’t explain! It is your fault! You did not train her well! Whoever she was! And now we do not want the half price back, we want a full refund!’

Dazu muss man wissen: In China ist der Kunde König. Und zwar uneingeschränkt. Niemals würde ein Laden- oder Restaurantbesitzer auf die Idee kommen, mit einem unzufriedenen (und dazu noch ausländischen) Kunden zu streiten. Und diese Mentalität wird hier teilweise gnadenlos ausgenutzt. Nur zur besseren Einordnung der Situation: besagtes Nudelgericht kostet etwa €7 Vollpreis.

Gute Frau – und ich hoffe, ich werde Ihnen nie wieder begegnen müssen:
Ich hätte nicht gedacht, dass es möglich ist.
Aber Sie haben es geschafft.
Sie haben diesen Montag tatsächlich zu einem ‘Mad Cow Day’ gemacht.
Glückwunsch!

Karl der Große

Christine am 10. Mai 2012
Ganz nah am Original // 照原样

Ganz nah am Original // 照原样

Die Chinesen sind die Meister der Kopie. Das ist kein Geheimnis. Und auch in diesem Fall muss man zweimal hinschauen, ob einen der erste Eindruck nicht vielleicht trügt. Zwar sind hierbei die Brille, die Halskette, der Kragen, das Objektiv – also quasi alles – eine Nummer zu groß geraten. Vom Alter des Herrn mal ganz zu schweigen. Dennoch tritt der gewollte Effekt unvermittelt ein. Das Ganze fungiert als Werbung für einen Online-Anbieter à la Amazon, und es ist durchaus lobenswert, dass hierbei keine unnötigen Gelder für überteuerte Testimonials ausgegeben wurden. Und wie heißt es ganz richtig: Wer erst einmal kopiert wurde – der hat es geschafft! Daher wird sich der Karl sicher freuen, dies hier zu sehen…

Der Frisör

Christine am 7. Mai 2012
Gut gelungen // 很得手

Gut gelungen // 很得手

Die eigene Frisur – der schönste Schmuck einer Frau. Über ein Jahr lang habe ich mich jetzt nicht getraut, hier zum Friseur zu gehen. Zwar habe ich von der einen oder anderen neuen Freundin eine ’100%-Empfehlung’ erhalten, doch spätestens beim Anblick der zweifelsohne gut ausgebildeten Fachkräfte vor Ort war klar: Hier werden – im wahrsten Sinne des Wortes – unterschiedliche Sprachen gesprochen. Nun bin ich fürwahr Niemand mit einem überkandidelten Verhältnis zu seiner äußeren Erscheinung. Aber sogar ich musste in den letzten Wochen feststellen, dass sich nicht zwingend alles zum Besseren wendet, wenn man der Natur freien Lauf lässt. Diese Erkenntnis gepaart mit der (wenn erforderlich tröstenden) Anwesenheit von Iris hat mir den nötigen Schubs verliehen, vor einigen Tagen das bis dahin Undenkbare zu wagen. Und ich muss sagen: alles in allem mit einem sehr zufriedenstellenden Ergebnis. Soweit meine eigene Einschätzung.

Nur wenige Stunden nach diesem persönlichen Erfolgserlebnis laufe ich in einer unserer Super Brand Malls am superhippen Salon Franck Provost vorbei. Ohne jeglichen Blickkontakt ins Innere des Ladenlokals. Warum auch, jeder kann ja sehen, dass ich ein aktuelles Styling trage. Ich bin schon etwa 100 Meter weiter, da kommt der Herr Creative Director mir hinterher gerannt (ich wiederhole: 100 Meter weit), um mir seine Visitenkarte inklusive eines generösen Rabattangebots für meinen ersten Besuch bei ihm persönlich zu offerieren.

So. Wie nun darauf reagieren?
Äußerlich habe ich mir nichts anmerken lassen. Danke, nehme ich gerne, ach was, sie haben auch mal in Deutschland gelebt, interessant, man sieht sich, schönen Tag.
Innerlich wurde es etwas komplexer. Wie ist das jetzt gemeint? Was hat er sich dabei gedacht? Die hat es aber nötig, muss sie doch selber sehen, da lohnt sich sogar ein kleiner Spurt? Creative Director – dass ich nicht lache! Für wen hält der sich? Haare sind schließlich nicht alles! Es sind die inneren Werte, die zählen!

Seine Karte habe ich aber mal aufgehoben. Sicherheitshalber. Für irgendwann mal. Vielleicht.

IKEA

Christine am 4. Mai 2012
Herzlich Willkommen! // 欢迎!

Herzlich Willkommen! // 欢迎!

Heute ist es passiert!
Heute habe ich mich hier zum ersten Mal in der Öffentlichtlichkeit sichtlich aufgeregt.
Und das kam so.
Ich war beim Ikea.

Das ist ja an sich eine schöne Sache. Wir haben hier seit kurzem den größten Ikea Asiens, da ist alles noch ganz neu und aufgeräumt. Anfänglich ist auch alles sehr gut verlaufen. Dann kam ich zu den Kassen. Leider waren nur drei von ihnen geöffnet, und alle drei im wirklichen Leben sicher sehr netten Kassiererinnen trugen den schönen Button ‘Trainee’ an ihren gelb-blau gestreiften Blusen. Nun bin ich von Haus aus schon kein geduldiger Mensch, und das wird mir vor allem bei (meiner Ansicht nach) unnötig langen Wartezeiten zum Verhängnis. Und irgendwie, irgendwie kam in der Situation heute alles zusammen.

Angefangen damit, dass die Dame vor mir einen Schirm in ihrem Einkaufswagen hatte.

Schirme // 伞

Schirme // 伞

Dieses Schild besagt, dass die Schirme bei gutem Wetter umgerechnet €1,70 kosten, und wenn es draußen regnet nur €1,20 Euro. An sich ein tolles Angebot, in jedem Fall, aber halt noch besonderer bei schlechtem Wetter. Kurz zur Info: Wir haben aktuell 28 Grad, die Sonne scheint und es ist nicht davon auszugehen, dass sich das im Laufe der Woche, geschweige denn während der nächsten 5 Minuten ändern wird. Nun war die Kundin vor mir aber offenkundig nicht bereit, den teureren Preis zu investieren. Leider fiel ihr das auch erst ein, als sie schon bezahlt hatte. Es brandete also eine lautstarke Diskussion auf, der die anwesende Trainee-Frau leider nicht gewachsen war. Genauso wenig wie der Durchführung einer Retourbuchung, die ohnehin normalerweise an einem anderen Ort im Haus stattfindet. Unnötig zu erwähnen, dass auch dieser Hinweis bei der Kundin auf keine große Sympathie stieß.

Während des andauernden Wortgefechts, das ich sinnvoll nutzte um meine Sachen auf dem Band zu platzieren, schob sich ein junger Ikea-Mitarbeiter an mir vorbei, drei aneinander gekettete Wagen hinter sich herziehend. Zwei davon prallgefüllt mit unzähligem Kleinkram, einer davon mit Bergen von Bettzeugs, allesamt versehen mit schwer zugänglichen Sicherungsmanschetten. Ich hielt das zunächst für eine Ansammlung von Dingen, die achtlose Kunden einfach im Laden verstreut abgelegt hatten und die ja wieder eingesammelt werden mussten. Warum er damit in Richtung Kasse gerollt kam, das war mir nicht sofort klar. Ich sollte es gleich erfahren.

Es waren seine Einkäufe. Offensichtlich haben seine Eltern morgen eine Hoteleinweihung zu feiern, jedenfalls war er aus irgendwelchen Gründen in arger Zeitnot, und wurde daher kurzerhand zwischenreingeschoben. Also, vor mich. Da hatte sich hinter mir bereits eine erwähnenswerte Schlange an Leuten gebildet, die ihrem Unmut nur bedingt Ausdruck verliehen. Fast alle holten ihre Telefone heraus, so machte ich es dann auch – ‘play local’ – dieses Vorgehen hat sich schon oft bewährt, warum also nicht auch in dieser Situation.

Als der Berg an Zeugs dann endlich eingescannt war, und ich schon hörbar aufatmen wollte, der nächste Schreck. Der gute Mann bezahlte weder mit Kreditkarte noch mit Bargeld, nein, er zog aus der Tasche einen Stapel Geschenk-Gutschein-Karten (wahrscheinlich werden die Ikea-Mitarbeiter damit für den eigenen Einkauf versorgt), zählte diese dreimal komplett durch, mit Hilfe eines Taschenrechners wurde dann gemeinsam ermittelt, dass nur 35 davon hier und jetzt benötigt wurden, die wurden dann von ihm noch zweimal durchgezählt, die Kollegin kontrollierte dies zur Sicherheit weitere zweimal, und dann … ja dann musste jede dieser Karten erst durchgezogen werden, dann wurde auf der Rückseite eine kleine Nummer freigerubbelt (mit Hilfe eines besonders für dieses Vorhaben viel zu kurzen Fingernagels) und dann wurde diese, offenkundig sehr kleine und zudem noch 10-stellige Nummer mit den Rubbelresten dazwischen per Hand eingegeben.

Da war dann bei mir Schluss mit lustig. Der junge Mann sprach Gott sei Dank nicht ganz so gut Englisch, und hat daher hoffentlich nicht alles verstanden was ich gesagt habe. Um mich zu beruhigen, und sicher vor allem um mich loszuwerden, wurde mir geraten, mich doch bitte zur Kasse 11 zu begeben, diese würde jeden Moment öffnen. Nun war Kasse 11 leider eine Schnellkasse, an die man mit Wagen gar nicht heranfahren konnte. Außerdem lagen meine Sachen ja bereits seit geraumer Zeit auf dem Band. Gut, alles in einen der gelben Beutel geworfen, der junge Mann zeigte sich sehr hilfsbereit, und ab in Richtung Kasse 11. Die war inzwischen geöffnet, so weit so gut. Aber das hatten natürlich auch alle anderen Wagenschieber aus den insgesamt drei langen Warteschlangen mitbekommen. Die hatten in Windeseile all ihr Zeugs in drei bis vier Taschen gepackt, und standen nun bereits an, als ich mich gemeinsam mit dem jungen Kollegen näherte.

Ich möchte es hier nochmals betonen: Ich bin in solchen Sitationen zwar grundsätzlich innerlich arg angespannt, aber ich versuche nach Außen hin besonnen und gefasst zu erscheinen. Meistens aus dem Grund, dass ich sprachtechnisch nicht in der Lage bin meinen Unmut zu artikulieren. Aber es gibt ja noch die international verständliche Sprache der Mimik. Und die kam heute effektiv zum Einsatz. Der junge Mann hat dann, ganz nett, meine Tasche an den Wartenden vorbei ganz nach vorne getragen und dafür gesorgt, dass ich als Nächste dran war. Ich wollte ihm als Dankeschön noch einmal zuwinken. Und da musste ich mitansehen, wie er bei Rückkehr zu seinem Einkaufsberg der Kassiererin die Gutschein-Karten abnahm, seine Wagen zur Seite schob – und die nächste Kundin dran kam. Hatte sich dann erledigt, das mit dem Winken.

Um die Aktion abzurunden bin ich später daheim im Aufzug, als ich mit einem unförmigen Paket unterm Arm mit dem Ellenbogen die Etage drücken wollte, auf dem Alarmknopf gekommen. Um zu meiner großen Erleichterung festzustellen, dass dieser zwar lustig aufblinken kann, dann aber nichts passiert. Also, gar nichts. Gepaart mit der Tatsache, dass im Aufzug keinerlei Handyempfang herrscht, wirft dies neue Fragen bezüglich den Fall der Fälle auf. Aber darüber rege ich mich erst auf, wenn es aktuell werden sollte.

Lustifik // 洛斯菲克

Lustifik // 洛斯菲克

Zum Schluss gab es dann aber noch einen kleinen Schmunzel-Moment.
Beim Aufbau unseres neuen kleinen Schuhregals.
Das die Mutter aller Namen tragen dürfte, für die Ikea zu Recht so bekannt ist.

Bliefe von dlüben

Christine am 3. Mai 2012
China = 中国人 = zhōng guó rén = Mitte, Land, Mensch

China = 中国人 = zhōng guó rén = Mitte, Land, Mensch

Einige Bilder und Aussagen kommen einem sofort in den Sinn, wenn man ans Land der Mitte und seine Bewohner denkt. Einiges davon stimmt, anderes ist teilweise nicht ganz korrekt, und bei manchen Behauptungen weiß ich nicht, wie sie sich so hartnäckig halten konnten. Im Sinne der interkulturellen Verständigung, und weil ich diesbezüglich Informationen aus erster Hand liefern kann, möchte ich einigen Vorurteilen hier ein Ende setzen.

• Das äußere Erscheinungsbild:

‘Chinesen sind gelb.’
Nein, sind sie nicht. Sie haben sogar einen sehr ansprechenden Teint. Eine Mischung aus gesund- und olivfarben. Warum es hier jegliche Art von Kosmetika in einer ‘Whitening’-Version gibt, das vermag ich nicht zu sagen. Manchmal ist das ein bisschen schwer zu verstehen, das mit den unterschiedlichen Schönheitsidealen.

‘Chinesen sehen alle gleich aus.’
Stimmt auch nicht. Wie alle anderen Menschen hat auch hier jeder sein eigenes, unverwechselbares Aussehen. Auch wenn einem das auf den ersten bzw. zweiten Blick nicht so vorkommt. Als wir im letzten Jahr auf der Expo waren, hatte Jürgen einen mit Lichtbild versehenen Aussteller-Ausweis eines deutschen Kollegen dabei, mit dessen Hilfe er sich kostenfreien Zutritt zum Gelände verschaffen wollte. Am Eingang wurde das Foto zwecks Überprüfung eingescannt und auf eine 3 x 5 Meter große Leinwand hinter ihm geworfen. Besagter Kollege hat mit Jürgen so viel Ähnlichkeit wie ein Fahrrad mit einem Flugzeug. Trotzdem haben ihn die fünf freundlichen Kontrolleure sofort durchgewunken. Scheint sich also auf beiden Seiten lediglich um ein kleines Aufmerksamkeits-Defizit zu handeln.

‘Chinesen sind alle relativ klein.’
Das stimmt. Manchmal sogar sehr klein.

‘Chinesen haben Hasenzähne und lange, geflochtene Zöpfe. Und sie tragen spitze Hüte.’
Es gibt auch hier ein paar Leutchen mit Hasenzähnen, besagte Zöpfe sind ausschließlich bei Japanern aus der kreativen Szene zu finden, und die spitzen Hüte – die gehören nach Vietnam.

• Die so völlig andere Sprache:

‘Chinesisch ist eine schwere Sprache.’
Das stimmt. Und wie das stimmt! Obwohl die Grammatik an sich relativ unkompliziert ist, bereitet die schier unbegreifliche Betonungs-Technik jedem auch noch so Lernwilligen exorbitante Probleme. Und ich weiß, wovon ich rede!

Chinesen sagen L statt R.’
Stimmt ganz und gar nicht. Zwar wird der Buchstabe R hier etwas anders ausgesprochen – geschmeidiger, und ohne das charakteristische ‘Rollen’ – aber niemals wird er durch ein L ersetzt. Ich weiß nicht, wer das mal unter welchen Umständen auch immer verbreitet hat.

• Die Essgewohnheiten:

‘In China essen sie Hunde.’
Jaaaaa, hier landet durchaus mal ein Hund auf dem Teller. Aber ich möchte an dieser Stelle kurz zu bedenken geben: ‘Wir’ essen Kälbchen, Lämmchen, Ferkelchen, Stubenküken, Rehlein … und so weiter.

‘Chinesen essen alles, aber auch alles vom Tier. Köpfe, Füße, Innereien.
Stimmt. Was ich persönlich aber ganz und gar nicht als negativ betrachte. Hier wird halt nicht nur das Filet rausgeschnitten und alles andere weg geschmissen, sondern wenn schon ein Tier tot machen, dann aber wenigsten auch alles davon als Nahrung nutzen. Jawoll!

‘Chinesen spucken und rülpsen am Tisch.’
Ja, das stimmt leider auch, und es ist in der Tat arg gewöhnungsbedürftig. Dazu muss man sagen, dass es als unhygienisch gilt zum Beispiel eine Krabbe mit den Fingern auszupulen und dann erst zu essen. Es bedarf meiner Ansicht nach eines fast schon akrobatischen Talents, um jene Krabbe im Ganzen in den Mund zu stecken und dann ausschließlich mit der Zunge zu entpanzern. Dem nicht essbaren Teil muss man sich natürlich irgendwie entledigen, wieder ohne Unterstützung der Hände, und da bleiben dann nicht viele Möglichkeiten übrig…

• Und zu guter Letzt – die Mauer (wenn ich das als Deutsche mal so sagen darf):

‘Die chinesische Mauer ist das einzige Bauwerk, das man vom Mond aus mit bloßem Auge sehen kann’.
Erm, nein. Die Mauer ist zwar das längste existierende Bauwerk, aber vom Mond(!) aus zu sehen ist sie nicht. Wobei ich mich hierbei natürlich auf die Aussage Dritter verlassen muss.

China liegt, von Deutschland aus betrachtet, so ziemlich auf der anderen Seite der Welt. Es wäre ja fast schon schlimm, wenn man hier nicht der einen oder anderen Kuriosität begegnen würde. Einige lokale Ansichten und Gewohnheiten werde ich wohl niemals verstehen. Aber so geht es mir ehrlich gesagt auch manchmal bei Leuten aus meinem eigenen Kulturkreis. Und das ist auch gar nicht schlimm. Denn jede noch so befremdliche Beobachtung löst bei mir zumindest ein kurzes Schmunzeln aus. Und das weiß ja jeder: Schmunzeln ist gesund!

Eins Zwei Drei Tier

Christine am 30. April 2012
Keine 4 // 罔四号

Keine 4 // 罔四号

Die Zahl 4 gilt in China als Unglückszahl. Der Grund dafür: sie wird ähnlich ausgesprochen wie das Wort für ‘tot sein’. Damit erübrigt sich jede weitere Erklärung.

Bemerkenswert sind die Konsequenzen, die daraus gezogen werden. Kein Mobilnetz-Anbieter hat eine 4 in seiner Vorwahl. Die Nummern, die keine einzige 4 enthalten, müssen hier mit einem Extra-Zuschlag gekauft werden. Wichtige Geschäftstermine oder Familienfeiern werden niemals an einem 4. veranstaltet. Und so weiter. Wie hier allerdings ein 4. Geburtstag gehandhabt wird, das ist mir nicht bekannt.

Ganz offensichtlich wird die Vermeidung der Zahl 4 auch im Hotel.
Da existiert die 4. Etage einfach gar nicht.

Als absolute Glückszahl gilt hier übrigens die 8.
Also 2 x 4.
In meinen Augen: Doppelt-Unglück.
Ist bisher wohl noch niemandem aufgefallen.

The Three Brothers

Christine am 29. April 2012
Shanghai Tower // 上海塔楼 // 2012

Shanghai Tower // 上海塔楼 // 2012

Der Shanghai Tower. Nach seiner Fertigstellung wird er mit 632 Metern das höchste Gebäude Shanghais und das zweithöchste der Welt sein. Kostenpunkt: etwas über 1.5 Milliarden Euro. Nach offiziellen Angaben sollen rund um die Uhr etwa 1.200 Arbeiter am Turm tätig sein, und aller 4 Tage wird ein weiteres Stockwerk fertig gestellt. Nun muss ich sagen, dass ich die Baustelle gelegentlich passiere, auch zu den unterschiedlichsten Tag- und Nachzeiten, aber ich sehe dort kaum Leute, geschweige denn aktive Bautrupps. Da stehen mal zwei neben einer Baugrube, einer fährt mit dem Bagger übers Gelände, und hoch oben fallen von einem einzelnen Schweißgerät ein paar Funken hinab. Aber irgendwer muss tatsächlich pausenlos dort werkeln, denn die Baufortschritte sind enorm. Wie man eindeutig beim Vergleich mit meinem letzten Artikel sehen kann. Ein paar interessante und knapp zusammen gefasste Hintergundinfos zu allen drei Türmen sind hier zu finden.

In den letzten Wochen geriet das gesamte Vorhaben mit eher beunruhigenden Meldungen in die lokalen Schlagzeilen. In unmittelbarer Umgebung der Türme wurden Risse im Straßen-Asphalt entdeckt, und zwar von bis zu 10 Metern Länge und 4 Zentimetern Breite. Also schon ganz ordentlich. Vor allem im Hinblick darauf, dass der gesamte Innentstadtbereich auf schlammigem Untergrund erbaut ist (was besonders dem Tunnel- und Metrobau kostspielige Probleme verursacht), kann man die durch die aktuellen Vorkommnisse entstandenen Bedenken durchaus verstehen. Es war allerdings umgehend eine Gruppe von Experten zur Stelle, die eindringlich versichert hat, dass weder die Hochhäuser im weichen Untergrund versinken werden, noch werden sich zwischen den unzähligen Bürogebäuden Erdspalten auftun, die Menschen und Autos verschlucken.

Gut, eins ist mal sicher: Sollten sich die Herren von der Bauaufsicht diesbezüglich irren, wird man das zeitnah den internationalen Medien entnehmen können.

Einfach schön!

Christine am 27. April 2012
Total Banane // 很蕉

Total Banane // 很蕉

Als Freundin schöner Dinge im Allgemeinen und Besonderen, als längjährige Mitarbeiterin in einer Kreativ-Agentur, als noch langjährigere Studentin eines gestaltungsorientierten Fachbereichs, haben meine Augen naturgemäß aufgeleuchtet – beim Anblick dieses exzellenten Verpackungsdesigns.
Hier stimmt einfach alles. Und ich möchte, dass die ganze Welt das zu sehen bekommt. Man muss auch mal zugeben können, wenn etwas einfach nicht besser gemacht sein könnte.