Im Laufschritt durch Peking

One. Two. Whisky! // 一. 二. 威士忌!

One. Two. Whisky! // 一. 二. 威士忌!

Zeit mit seinen Freunden zu verbringen – das ist schön. Vor allem dann, wenn es einer weiten Reise bedarf, um sich sehen zu können. Diese Erfahrung habe ich im Sommer gemacht, als jede Begegnung während meines zeitlich begrenzten Aufenthalts einen besonderen Stellenwert hatte. Und genauso habe ich es in den letzten Wochen empfunden, als mich nacheinander drei meiner lieben Freundinnen in unserem neuen Zuhause besucht haben. Mit allen Dreien habe ich jeweils unterschiedliche Sachen unternommen. Aber: Der Blick auf die Stadt von einem sehr hohen Turm aus – das war jedes Mal Teil des Programms.

Mit Judith war ich dann sogar für zwei Tage in Peking.

Delicious duck gizzards // 熏卤味鸭肫

Delicious duck gizzards // 熏卤味鸭肫

Bei den Vorbereitungen auf unseren Ausflug spielte das Thema Reiseproviant eine wichtige Rolle. Das Angebot an kleinen Snacks ist hier riesengroß. Besonders praktisch sind die handlichen und dazu noch einladend aufgemachten Tütchen, auf denen der Inhalt von den ehemaligen Besitzern vielversprechend angepriesen wird. Unsere persönlichen Favoriten waren die geräucherten und scharf gewürzten Entenschnäbelchen, und wer es nicht ganz so crunchy mag greift besser zu den ähnlich zubereiteten Entenzüng…züngchen…züngelchen. Alles aus der Serie: ‚iDuck‘. Wir waren begeistert. Und haben uns Erdnüsse gekauft.

Durchblick // 前景

Durchblick // 前景

Damit ich in Peking auch alles richtig mitbekomme, musste vorab noch eine weitere Sache erledigt werden. Die war zwar schon länger fällig, aber aus nachvollziehbaren Gründen wurde sie von mir immer wieder verschoben: der Erwerb einer Brille. Mehr oder weniger nur zum Lesen notwendig, aber nachdem jetzt langsam mein Arm zu kurz wurde, um Kleingedrucktes entsprechend weit weg halten zu können, gab es keine überzeugende Ausrede mehr. Wir haben hier einen großen Brillenmarkt, untergebracht im 4. Stock eines Kaufhauses. Dort sucht man sich eine Fassung aus, und nach einer halben Stunde kann die neue Sehhilfe abgeholt werden. Entweder gibt man seine vorhandenen Gläser zum kopieren ab, oder so wie in meinem Fall, man lässt mit Hilfe modernster Geräte die Dioptrinzahl ermittelt. Entgegen aller anfänglichen Skepsis muss ich zugeben: Es war sehr erfolgreich, und vor allem arg unterhaltsam. Jetzt gehöre ich also auch zum Club der (temporären) Vieraugen. Und ich bin stolz darauf!

3 Langnasen // 3 老外

3 Langnasen // 3 老外

Und dann ging’s los. Seit ein paar Monaten besteht die Möglichkeit, per Schnellzug von Shanghai nach Peking zu reisen: 1.400 Kilometer in knapp 5 Stunden, für etwas mehr als 100 Euro, beide Strecken. Eine rundum gute Sache. Kleiner Tipp: Gegen Ende der Fahrt sollte man keinen Besuch mehr in den Waschräumen planen, aber alles Andere ist sehr komfortabel und gemütlich. Und die Züge sehen sowas von cool aus!

Forbidden City // 故宫博物院

Forbidden City // 故宫博物院

Erstes Ziel für nun wirklich jeden Besucher Pekings: die Verbotene Stadt. Schon im letzten Jahr auf meiner persönlichen Liste nicht unbedingt unter den Top 3, habe ich mich damals aber überreden lassen. Mitten im Sommer. Knallheiß, knallvoll, knalllaut, knallnervig. Also große Begeisterung meinerseits, als jetzt ein erneuter Besuch aktuell wurde. Glücklicherweise habe ich mich nicht davor gedrückt. Denn an diesem eisigen Vormittag hatte der Ort eine völlig andere Atmosphäre. Die Kalt-Krähen haben gekrächzt, wir waren stellenweise fast alleine auf den riesigen Höfen, es wurde nur leise gesprochen, kurz: Es war richtig schön. Und wie gesagt: eisigstkalt.

Watercube // 水立方

Watercube // 水立方

Damals wie heute mein persönlicher Favorit: das Olympiagelände, mit den beiden herrlichen Gebäuden, dem Birds Nest Stadion und der Water Cube Schwimmhalle. Im Sommer jeden Abend Treffpunkt für Tausende von Menschen, im Winter eher ein großes Gelände mit nur ein paar Leuten drauf. War aber egal, denn spätestens wenn die Illuminierung gestartet wird kann man sich der Faszination des Ortes nicht mehr entziehen. Da die Metrolinie, die seinerzeit direkt auf das Gelände führte, inzwischen eingestellt wurde, haben wir eine kleine Metallkasten-Rikscha für den letzten Kilometer genommen. Bei der Preisabsprache mit dem netten Fahrer zeigten wir uns verhandlungssicher und ortskundig. Ich hatte die Fahrtzeit auf mindestens 10 Minuten geschätzt, in Echtheit dauerte sie etwa 80 Sekunden. Wie man sehen kann hat Judith das Gefährt im erstmöglichen Moment verlassen, und ihr erleichterter Blick war im Nachhinein jede Summe wert.

Rikscha-Fahrt // 骋人力车

Rikscha-Fahrt // 骋人力车

Unser Hotel lag mitten in einem Hutong, so heißen die traditionellen Gassenviertel, von denen besonders in Peking noch viele erhalten sind. Bedeutet auf der einen Seite: enge Straßen, in die ein Taxifahrer nicht ganz so gerne reinfährt. Aber auf der anderen Seite: ursprüngliches China-Leben, kleine Geschäfte (auf den ersten Blick manchmal gar nicht als solche zu erkennen), Mini-Restaurants in denen sich die Gäste ihre Sitzmöglichkeiten selber mitzubringen scheinen, Einblicke in Behausungen, die wir uns nicht getraut haben auf Bildern festzuhalten. Wenn wir hier (also im mit allen Annehmlichkeiten ausgestatteten Hotel) nicht gewohnt hätten, wir wären wahrscheinlich nicht in so eine Gegend gekommen. Und da hätten wir ganz schön was verpasst.

Schattenfrauen // 影女子

Schattenfrauen // 影女子

Unser Hotel trug den Namen ‚Art Shadow Performance‘, und diesem Motto entsprechend gab es an einem Abend so eine Schattentheater-Aufführung. Also, der dort performende Künstler wird sicher nicht in die Geschichte dieses Genres eingehen (bei allem Respekt, man muss seine Grenzen erkennen), aber wir (die 5 Zuschauer) durften nach der Vorstellung hinter die Kulissen blicken, und uns an der (jaaaa, zugegeben sehr schwierigen) Materie versuchen. Judith hat dann den Schmetterling gemacht, und ich muss sagen: Ich sehe da einen für sie neuen, wenn auch etwas unkonventionellen Karrierezweig.

Bird's Nest . 2010 // 鸟巢 2010

Bird's Nest . 2010 // 鸟巢 2010

In einen Artikel über Peking gehört, keine Frage, mein Lieblingsfoto von dort.
Aus dem letzten Jahr, im Sommer.
Auf dem man meine eben schon erwähnte Begeisterung für dieses herrliche Olympiastadion ganz deutlich erkennen kann.
So wie die Freude über meine exquisite Begleitung.

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