Cooking (For) Dogs

Speisekarte in Hanoi // Trình đơn ở Hà Nội

Speisekarte in Hanoi // Trình đơn ở Hà Nội

In China essen sie Hunde. Das weiß ja jeder!
Zu meiner eigenen Überraschung bin ich bisher in Shanghai noch kein einziges Mal mit diesem Thema konfrontiert worden.
Dazu musste ich anscheinend erst nach Vietnam fahren.

Auf einem kleinen Markt, in einer schmalen Gasse, da lag er auf einmal vor mir. Auf einem großen Holzfass hindrapiert, Junger-Schäferhund-Größe, ohne Haare, im Ganzen gebrüht. Sehr wütend hat er ausgesehen, wie als wenn er die Zähne fletschen würde, mit rosig glasiger Haut, wie man es sonst nur vom Bruder im Unglück – dem Spanferkel – kennt.

Auch als Vegetarier muss ich nun zugeben, dass es vor den meisten Straßenküchen in denen gebrutzelt und gebraten wird, sehr lecker riecht. Und ich weiß nicht genau, was dort vor Ort mit mir los war. Entweder hat mein Gehirn die vor ihm liegende Information nicht verarbeiten können, oder aber es war einfach so. Jedenfalls hat es an diesem Stand furchtbar schrecklich gerochen. Jürgen war ein bisschen voraus gelaufen, und als wir uns am Ende der Straße wiedertrafen, lautete meine erste Frage natürlich sofort: Hast du den Hund gesehen? Genau genommen war es unnötig zu fragen, die Gasse war kaum zwei Meter breit. NATÜRLICH hatte er den Hund gesehen. Aber offensichtlich ist sein innerer Mechanismus, sich vor schlechten Nachrichten zu schützen, bis an die Grenze des Perfektionismus ausgebildet, denn seine Antwort lautete, voller unumstößlicher Überzeugung: DAS WAR KEIN HUND. Gerne hätte ich ihm zugestimmt. Aber leider gibt es ein Markenzeichen, woran man den besten Freund des Menschen – und zwar egal, in welchem Zustand er sich befindet – eindeutig erkennen kann: Seine Nase. Die charakteristische Hundenase. Denn die schaut anscheinend immer gleich aus. Schwarz. Samtig. Mit dieser riffeligen Oberfläche. Und kalt war sie wahrscheinlich auch.

Bei dieser ersten Begegnung hat mich die Situation irgendwie überfordert, so dass an fotografieren gar nicht zu denken war. Das Gesehene ist mir aber nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Vielleicht hatte ich mich doch geirrt. Ich musste da jedenfalls noch mal hin. (Jürgen: ‚DEN Weg, den gehst du aber alleine.‘) Gesagt, getan. Ich fand die kleine Straße wieder, der Stand war auch noch da, und auf der Tonne lagen … ganz viele kleine gebrühte Hunde, übereinander gestapelt. Und sie stimmten natürlich in Anzahl und Größe genau mit den niedlichen Flauschis überein, die ich Tags zuvor gesehen hatte. In einen großen Käfig gepackt, hinten drauf auf dem Moped, auf der Autobahn in Richtung Hanoi.

Ich habe wieder kein Foto gemacht.
Und hingegangen bin ich danach auch nicht mehr.

Im eigentlichen Sinne ist es ja egal, ob man ein gebratenes Hühnchen oder ein zerhacktes Meerschweinchen vor sich liegen hat. Aber mal abgesehen davon, dass wir von Klein auf einen Hund halt eher als Mitbewohner denn als Suppeneinlage kennen – es scheint mir doch ein wenig inkonsequent, wenn der teuer erworbene Haushund in Schühchen und mit Mützchen in seinem aufblasbaren, schlossförmigen Körbchen liegt, und Frauchen hat nebenan einen im wahrsten Sinne des Wortes ‚Hot Dog‘ auf dem Teller.

Aber auch hier gilt wohl, wie so oft: andere Länder, ganz ganz andere Sitten.

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