Augenschmaus & Gaumenfreude

Ohhh, Seegurke, niedlich! // 海参, 可爱!

Ohhh, Seegurke, niedlich! // 海参, 可爱!

Die Seegurke an sich ist ein liebenswertes Meeresgetier, das allerdings gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen hat. Da ist der missverständliche, und auch etwas blöde Name. Dann gilt sie besonders hier in China als Delikatesse, weswegen viele von ihnen nur ein sehr kurzes Leben haben. Während dieser Zeit macht sie aber einen guten Eindruck. Sie kommt in unterschiedlichsten Größen vor, hat glatte oder stachelige Haut, einige Spezies haben ein bizarr schönes Erscheinungsbild, sie lebt in der geheimnisumwitterten Tiefsee und ist zudem noch mit dem schönen Seestern verwandt.

Wie gesagt, viele von ihnen landen auf dem Teller. Und dann hat die Person, die besagten Teller vor sich hat, auch ein Problem. Ein großes Problem. In diese Verlegenheit kommt man allerdings fast ausschließlich in Asien. Der Grund dafür ist wohl darin zu finden, dass die Seegurke in zubereiteter Form nicht ganz den westlichen Vorstellungen von appetitlich anzuschauendem Essen entspricht. Das ist meine persönliche These. Und die kann ich auch belegen…

Hmmm, Seegurke, lecker! // 海参, 好吃!

Hmmm, Seegurke, lecker! // 海参, 好吃!

So, und wer nun denkt, was furchterregend aussieht muss nicht unbedingt genauso furchterregend schmecken – der hat recht. Denn das arme Tier schmeckt noch viel, viel schrecklicher als es aussieht. Was vorallem an seiner nahezu unbeschreiblichen Konsistenz liegt. Irgendwo zwischen schleimig, knorpelig, matschig, sehnig, glitschig und trocken. So wurde es mir von den Betroffenen, die sich allesamt nur widerwillig an das Erlebte erinnern wollten, einstimmig berichtet. Dabei sind die meisten Chinesen selber kein Freund von diesem Gericht. Da es sich aber um eine relativ teure Mahlzeit handelt, und weil hier der Status besonders im Angesicht von Gästen eine gewichtige Rolle spielt, wird die Gurke in quasi jeder Runde aufgetischt. Und dann steht man vor der Aufgabe, einerseits nicht unhöflich erscheinen zu wollen, andererseits stößt man hierbei, auch beim allerbesten Willen, an die Grenze des Machbaren.

In diesem Zusammenhang ein ‚Dankeschön‘ an dich, Thomas. Du hast mit deiner Warnung anscheinend beileibe nicht übertrieben. Im Gegenteil.

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