Der Frisör

Gut gelungen // 很得手

Gut gelungen // 很得手

Die eigene Frisur – der schönste Schmuck einer Frau. Über ein Jahr lang habe ich mich jetzt nicht getraut, hier zum Friseur zu gehen. Zwar habe ich von der einen oder anderen neuen Freundin eine ‚100%-Empfehlung‘ erhalten, doch spätestens beim Anblick der zweifelsohne gut ausgebildeten Fachkräfte vor Ort war klar: Hier werden – im wahrsten Sinne des Wortes – unterschiedliche Sprachen gesprochen. Nun bin ich fürwahr Niemand mit einem überkandidelten Verhältnis zu seiner äußeren Erscheinung. Aber sogar ich musste in den letzten Wochen feststellen, dass sich nicht zwingend alles zum Besseren wendet, wenn man der Natur freien Lauf lässt. Diese Erkenntnis gepaart mit der (wenn erforderlich tröstenden) Anwesenheit von Iris hat mir den nötigen Schubs verliehen, vor einigen Tagen das bis dahin Undenkbare zu wagen. Und ich muss sagen: alles in allem mit einem sehr zufriedenstellenden Ergebnis. Soweit meine eigene Einschätzung.

Nur wenige Stunden nach diesem persönlichen Erfolgserlebnis laufe ich in einer unserer Super Brand Malls am superhippen Salon Franck Provost vorbei. Ohne jeglichen Blickkontakt ins Innere des Ladenlokals. Warum auch, jeder kann ja sehen, dass ich ein aktuelles Styling trage. Ich bin schon etwa 100 Meter weiter, da kommt der Herr Creative Director mir hinterher gerannt (ich wiederhole: 100 Meter weit), um mir seine Visitenkarte inklusive eines generösen Rabattangebots für meinen ersten Besuch bei ihm persönlich zu offerieren.

So. Wie nun darauf reagieren?
Äußerlich habe ich mir nichts anmerken lassen. Danke, nehme ich gerne, ach was, sie haben auch mal in Deutschland gelebt, interessant, man sieht sich, schönen Tag.
Innerlich wurde es etwas komplexer. Wie ist das jetzt gemeint? Was hat er sich dabei gedacht? Die hat es aber nötig, muss sie doch selber sehen, da lohnt sich sogar ein kleiner Spurt? Creative Director – dass ich nicht lache! Für wen hält der sich? Haare sind schließlich nicht alles! Es sind die inneren Werte, die zählen!

Seine Karte habe ich aber mal aufgehoben. Sicherheitshalber. Für irgendwann mal. Vielleicht.

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