Auf die Größe kommt es an

Hànbǎo für zwei // 汉堡给两人

Hànbǎo für zwei // 汉堡给两人

Unmittelbar vor unserer Haustüre befindet sich das stadtbekannte Steakhouse Yasmine’s inklusive Metzgerei. Gut, für mich persönlich jetzt nicht unbedingt das Einkaufsparadies No. 1, erfreut es sich aber bei vielen Anderen allergrößter Beliebtheit. Ein Grund dafür dürfte der Maxi-Burger sein, den es dort für rund €15 zu bestellen gibt. Und der besonders bei jungen Paaren großen Anklang findet. Es gibt ja auch kaum etwas romantischeres, als sich 800 Gramm gebratenes Hackfleisch, 600 Gramm Brot, 500 Gramm Gemüse und etwa 10 Fritten liebevoll zu teilen. Das oben gezeigte Szenario veranschaulicht übrigens die typischen Verhaltensweisen beim Auswärts-Essen von Mann und Frau hierzulande. Er schaut stolz auf seine Bestellung, sie textet Freunden oder gar der Familie, was für einen gönnerhaften Partner sie an ihrer Seite hat. Oder aber sie üben generell schon mal – für in etwa zwanzig, fünfundzwanzig Jahren…

Zusätzlich zum exklusiven Riesen-Burger-Angebot veranstaltet das Yasmine’s jeden Montag einen sogenannten ‚Mad Cow Day‘ – ein Slogan, der in Europa wahrscheinlich auch keine großen Chancen hätte. An jenem Abend sind alle Fleisch-Gerichte um die Hälfte reduziert, ausgenommen davon ist allerdings die Abteilung ‚Specials‘, wie Nudeln und Salate. Das steht, um Missverständnisse zu vermeiden, sowohl mehrfach auf der Karte, als auch auf einem gesonderten Aufsteller. Von denen auf jedem Tisch mindestens einer zu finden ist.

Nun war ich letzte Woche an einem dieser Montage Zeuge einer Szene zwischen einer Gruppe Europäern am Nebentisch und mehreren Yasmine’s-Mitarbeitern. Beim Bezahlen ergab sich das Problem, dass die konsumierte Nudelportion (wie mehrfach angeschrieben) voll berechnet wurde. Woraufhin die selbsterklärte Anführerin des Ensembles die Bedienung zurückrief um zu erklären, dass sie dies so nicht akzeptieren könne. Man hätte extra im Vorfeld gefragt, und nun das, sie hätten es nicht bestellt, wenn es nicht reduziert gewesen wäre. Auf die Frage, welche Kollegin denn die vermeintlich falsche Auskunft gegegeben hätte, zeigte Frau Anführerin nacheinander auf alle drei aktuell bedienenden chinesischen Damen. Um dann, als diese nacheinander am Tisch erschienen, festzustellen, dass es doch eine andere gewesen sein musste. Um der Sache ein Ende zu bereiten wurde dann lautstark nach dem ‚Manager‘ verlangt. Der erschien, der gesamte Sachverhalt wurde erneut dargestellt, und gerade als er noch einmal die (überall ausgeschriebenen) Spielregeln für seinen ‚Mad Cow Day‘ erläutern wollte, schrie ihn die Reklamations-Frau an: ‚Don’t explain! It is your fault! You did not train her well! Whoever she was! And now we do not want the half price back, we want a full refund!‘

Dazu muss man wissen: In China ist der Kunde König. Und zwar uneingeschränkt. Niemals würde ein Laden- oder Restaurantbesitzer auf die Idee kommen, mit einem unzufriedenen (und dazu noch ausländischen) Kunden zu streiten. Und diese Mentalität wird hier teilweise gnadenlos ausgenutzt. Nur zur besseren Einordnung der Situation: besagtes Nudelgericht kostet etwa €7 Vollpreis.

Gute Frau – und ich hoffe, ich werde Ihnen nie wieder begegnen müssen:
Ich hätte nicht gedacht, dass es möglich ist.
Aber Sie haben es geschafft.
Sie haben diesen Montag tatsächlich zu einem ‚Mad Cow Day‘ gemacht.
Glückwunsch!

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