IKEA

Herzlich Willkommen! // 欢迎!

Herzlich Willkommen! // 欢迎!

Heute ist es passiert!
Heute habe ich mich hier zum ersten Mal in der Öffentlichtlichkeit sichtlich aufgeregt.
Und das kam so.
Ich war beim Ikea.

Das ist ja an sich eine schöne Sache. Wir haben hier seit kurzem den größten Ikea Asiens, da ist alles noch ganz neu und aufgeräumt. Anfänglich ist auch alles sehr gut verlaufen. Dann kam ich zu den Kassen. Leider waren nur drei von ihnen geöffnet, und alle drei im wirklichen Leben sicher sehr netten Kassiererinnen trugen den schönen Button ‚Trainee‘ an ihren gelb-blau gestreiften Blusen. Nun bin ich von Haus aus schon kein geduldiger Mensch, und das wird mir vor allem bei (meiner Ansicht nach) unnötig langen Wartezeiten zum Verhängnis. Und irgendwie, irgendwie kam in der Situation heute alles zusammen.

Angefangen damit, dass die Dame vor mir einen Schirm in ihrem Einkaufswagen hatte.

Schirme // 伞

Schirme // 伞

Dieses Schild besagt, dass die Schirme bei gutem Wetter umgerechnet €1,70 kosten, und wenn es draußen regnet nur €1,20 Euro. An sich ein tolles Angebot, in jedem Fall, aber halt noch besonderer bei schlechtem Wetter. Kurz zur Info: Wir haben aktuell 28 Grad, die Sonne scheint und es ist nicht davon auszugehen, dass sich das im Laufe der Woche, geschweige denn während der nächsten 5 Minuten ändern wird. Nun war die Kundin vor mir aber offenkundig nicht bereit, den teureren Preis zu investieren. Leider fiel ihr das auch erst ein, als sie schon bezahlt hatte. Es brandete also eine lautstarke Diskussion auf, der die anwesende Trainee-Frau leider nicht gewachsen war. Genauso wenig wie der Durchführung einer Retourbuchung, die ohnehin normalerweise an einem anderen Ort im Haus stattfindet. Unnötig zu erwähnen, dass auch dieser Hinweis bei der Kundin auf keine große Sympathie stieß.

Während des andauernden Wortgefechts, das ich sinnvoll nutzte um meine Sachen auf dem Band zu platzieren, schob sich ein junger Ikea-Mitarbeiter an mir vorbei, drei aneinander gekettete Wagen hinter sich herziehend. Zwei davon prallgefüllt mit unzähligem Kleinkram, einer davon mit Bergen von Bettzeugs, allesamt versehen mit schwer zugänglichen Sicherungsmanschetten. Ich hielt das zunächst für eine Ansammlung von Dingen, die achtlose Kunden einfach im Laden verstreut abgelegt hatten und die ja wieder eingesammelt werden mussten. Warum er damit in Richtung Kasse gerollt kam, das war mir nicht sofort klar. Ich sollte es gleich erfahren.

Es waren seine Einkäufe. Offensichtlich haben seine Eltern morgen eine Hoteleinweihung zu feiern, jedenfalls war er aus irgendwelchen Gründen in arger Zeitnot, und wurde daher kurzerhand zwischenreingeschoben. Also, vor mich. Da hatte sich hinter mir bereits eine erwähnenswerte Schlange an Leuten gebildet, die ihrem Unmut nur bedingt Ausdruck verliehen. Fast alle holten ihre Telefone heraus, so machte ich es dann auch – ‚play local‘ – dieses Vorgehen hat sich schon oft bewährt, warum also nicht auch in dieser Situation.

Als der Berg an Zeugs dann endlich eingescannt war, und ich schon hörbar aufatmen wollte, der nächste Schreck. Der gute Mann bezahlte weder mit Kreditkarte noch mit Bargeld, nein, er zog aus der Tasche einen Stapel Geschenk-Gutschein-Karten (wahrscheinlich werden die Ikea-Mitarbeiter damit für den eigenen Einkauf versorgt), zählte diese dreimal komplett durch, mit Hilfe eines Taschenrechners wurde dann gemeinsam ermittelt, dass nur 35 davon hier und jetzt benötigt wurden, die wurden dann von ihm noch zweimal durchgezählt, die Kollegin kontrollierte dies zur Sicherheit weitere zweimal, und dann … ja dann musste jede dieser Karten erst durchgezogen werden, dann wurde auf der Rückseite eine kleine Nummer freigerubbelt (mit Hilfe eines besonders für dieses Vorhaben viel zu kurzen Fingernagels) und dann wurde diese, offenkundig sehr kleine und zudem noch 10-stellige Nummer mit den Rubbelresten dazwischen per Hand eingegeben.

Da war dann bei mir Schluss mit lustig. Der junge Mann sprach Gott sei Dank nicht ganz so gut Englisch, und hat daher hoffentlich nicht alles verstanden was ich gesagt habe. Um mich zu beruhigen, und sicher vor allem um mich loszuwerden, wurde mir geraten, mich doch bitte zur Kasse 11 zu begeben, diese würde jeden Moment öffnen. Nun war Kasse 11 leider eine Schnellkasse, an die man mit Wagen gar nicht heranfahren konnte. Außerdem lagen meine Sachen ja bereits seit geraumer Zeit auf dem Band. Gut, alles in einen der gelben Beutel geworfen, der junge Mann zeigte sich sehr hilfsbereit, und ab in Richtung Kasse 11. Die war inzwischen geöffnet, so weit so gut. Aber das hatten natürlich auch alle anderen Wagenschieber aus den insgesamt drei langen Warteschlangen mitbekommen. Die hatten in Windeseile all ihr Zeugs in drei bis vier Taschen gepackt, und standen nun bereits an, als ich mich gemeinsam mit dem jungen Kollegen näherte.

Ich möchte es hier nochmals betonen: Ich bin in solchen Sitationen zwar grundsätzlich innerlich arg angespannt, aber ich versuche nach Außen hin besonnen und gefasst zu erscheinen. Meistens aus dem Grund, dass ich sprachtechnisch nicht in der Lage bin meinen Unmut zu artikulieren. Aber es gibt ja noch die international verständliche Sprache der Mimik. Und die kam heute effektiv zum Einsatz. Der junge Mann hat dann, ganz nett, meine Tasche an den Wartenden vorbei ganz nach vorne getragen und dafür gesorgt, dass ich als Nächste dran war. Ich wollte ihm als Dankeschön noch einmal zuwinken. Und da musste ich mitansehen, wie er bei Rückkehr zu seinem Einkaufsberg der Kassiererin die Gutschein-Karten abnahm, seine Wagen zur Seite schob – und die nächste Kundin dran kam. Hatte sich dann erledigt, das mit dem Winken.

Um die Aktion abzurunden bin ich später daheim im Aufzug, als ich mit einem unförmigen Paket unterm Arm mit dem Ellenbogen die Etage drücken wollte, auf dem Alarmknopf gekommen. Um zu meiner großen Erleichterung festzustellen, dass dieser zwar lustig aufblinken kann, dann aber nichts passiert. Also, gar nichts. Gepaart mit der Tatsache, dass im Aufzug keinerlei Handyempfang herrscht, wirft dies neue Fragen bezüglich den Fall der Fälle auf. Aber darüber rege ich mich erst auf, wenn es aktuell werden sollte.

Lustifik // 洛斯菲克

Lustifik // 洛斯菲克

Zum Schluss gab es dann aber noch einen kleinen Schmunzel-Moment.
Beim Aufbau unseres neuen kleinen Schuhregals.
Das die Mutter aller Namen tragen dürfte, für die Ikea zu Recht so bekannt ist.

Die Kommentarfunktion ist derzeit geschlossen.