Parallelwelt

Judy's Bar // 酒吧

Judy's Bar // 酒吧

Freitagabend bei Judy’s. Laut Homepage seit 1993 der ideale Ort, um in dynamischer Atmosphäre den verheißungsvollen Wochenendanfang zu begrüßen. Auf den ersten Blick nicht sofort als mexikanisches Restaurant erkennbar, was aber egal ist, denn das Essen braucht nicht weiter erwähnt zu werden. Jürgens durch Neugier motivierte, und irgendwie auch ein bisschen mutige Wahl des ‚Hot dog German style‘ hat auf seiner Liste persönlicher Lieblingsessen jedenfalls zu keiner Verschiebung geführt.

Wir sind dort nur zufällig gelandet, eigentlich hatten wir ein ganz anderes Restaurant gesucht. Aber die gastronomische Fluktuation ist hier sehr hoch, und daher ist selbst ein vom Datum her aktueller Reiseführer diesbezüglich meist nicht mehr auf dem neuesten Stand. Für uns also völlig unerwartet erfolgte plötzlich der Auftritt von zwei erstklassigen Sängerinnen. Pink, Tina Turner, die Stones – die beiden Ladies hatten alles im Repertoire. Und wir saßen, quasi aus Versehen, auf den besten Plätzen.

Nicht ganz so unerwartet startete irgendwann die unvermeidliche Integration des Publikums ins Programm. (In dem Zusammenhang noch ein kleiner Tipp: Es kann sich als arg verhängnisvoll erweisen, im Waschraum Komplimente an die Künstlerinnen zu verteilen, die dann gleich wieder auf der Bühne stehen werden, mit dem Blick in die Menge, auf der Suche nach der nächsten Duettpartnerin.) Erstaunlicherweise ist ja in jeder noch so kleinen Gruppe mindestens ein Geburtstagskind mit dabei, inklusive der besten Freundin, die unter großem Hallo ein Ständchen zum Besten gibt. Und natürlich gab es auch den dicken Mann, ganz in schwarz gekleidet, mit Sonnenbrille auf, samt Gefolge, der noch bevor er richtig Platz genommen hatte bereits zwei Flaschen Whiskey an ‚seinen‘ Tisch gebracht bekam. Und es gab die (garantiert käuflichen) dunkelhäutigen Schönheiten mit Swarovski-Glitzer-Handy und, bei allem Respekt, ekelhaft perfektem Äußeren. Die standen direkt neben uns, an der Bar. Einer der wenigen Momente, in denen Jürgen kurz davor war, in der Öffentlichkeit seine Brille aufzusetzen.

Es war ein Abend mit lauter kleinen Überraschungen. Und mit einem flüchtigen Blick durch den Türspalt auf die, im wahrsten Sinne des Wortes, dunkleren Bereiche einer solchen Mega-Metropole. Nichts davon hatten wir erwartet. Und das hat es noch besser gemacht.

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